Bike choice - Part II

Hier gehts zum ersten Teil: Link

Seit beginn der Reiseplanungen habe ich mich im Netz umgesehen und Berichte und Meinungen anderer Reisenden gelesen. Der Grundtenor ist, bezüglich des „richtigen“ Motorrades für solch ein Unterfangen, „Weight does matter!“. Eine 1200 ccm oder 1100ccm Maschine ist einfach zu groß, zu schwer und hat meist zu viel Technik an Board. Wenn diese Umfällt, hat man Schwierigkeiten diese wieder aufzuheben und das Verletzungsrisiko ist ungleich höher. Letzteres habe ich am eigenen Leib erfahren müssen als ein 1200 GS auf meinem Bein landete und mir dieses brach. Seit dem laufe ich mit einer Platte im Bein herum. Bis vor ein paar Wochen habe ich mich allerdings mit der Idee abgefunden oder angefreundet mit meiner 1200er GS zu fahren. Immerhin kenne ich diese mittlerweile und weiß, was an Wartung wann gemacht werden muss. Das nötige Werkzeug habe ich mir besorgt. Alles war gut, bis eine Freundin mir einen Link zu einer Seite von zwei Motorradreisenden geschickt hat (das war am 3.6.2020), um mir Tipps bezüglich Kleidung zu geben, die, zugegebener maßen, auch gut sind, ich aber erst gar nicht gelesen habe, sondern gleich den Link „das richtige Motorrad“ angeklickt und mir diesen Bericht durchgelesen habe. Von da an kam der Stein ins rollen und hat einen riesen Rattenschwanz mit sich gezogen. Wieder musste ich lesen, „Weight does matter!“, „schwere Maschine“ ungeeignet, etc. Die 1200er GS ist keine Offroad Maschine. Die Hinterradfederung bricht leicht, Ersatzteile sind teuer und zur Reparatur benötigt man einen Dr. in Physik und das richtige elektronische Diagnosegerät.

Ich kam von einer Seite auf die nächste und las immer das Gleiche. Mein Mut sank. Zweifel kamen wieder auf. Jetzt muss ich noch Geld investieren in eine Hinterradfederung, vielleicht sogar noch eine Vorderradfederung. Dann las ich, was andere so fahren, habe mir die Namen der Maschinen notiert und nach gebrauchten Modellen gesucht. Es gab entweder keine oder der Verkäufer wohnte zu weit entfernt. Aber ganz ehrlich eine Suzuki DR 650 wirkt auch nicht besonders vertrauenerweckend. Dann habe ich nochmal auf Youtube gestöbert und bin bei zwei Youtuberinnen hängengeblieben. Die eine hatte ein sehr schönes Review über eine Royal Enfield Himalayan gegeben. Ich hatte diese Dame schon öfter gesehen aber nie wirklich beachtet. Eine andere schwor auf eine Triumph Tiger 800 (diese Maschine befand sich bis dato noch gar nicht auf meinem Radar).
Es drehte sich alles im Kreis. Ich habe mich verrückt machen lassen. Das genaue Gegenteil von dem, was mir Erik Peters geraten hatte. Aber was soll man machen? Man kann nicht aus seiner Haut.

Ich suchte in den Online-Gebrauchtmärkten ohne Ziel nach Enduros in meiner Gegend, obwohl ein weitere Neuanschaffung überhaupt nicht zur Debatte stand, vor allem solange ich noch die Yamaha XJR 1300 in der Garage der Großeltern stehen hatte, die ich versuche schon seit zwei Jahren zu verkaufen und sie keiner will. Außerdem müsste ich mich komplett an eine neue Maschine gewöhnen. Was ist, wenn ich wieder Rückenschmerzen beim Fahren bekomme, das aber erst nach dem Kauf merke? Ich suchte dennoch und stieß auf ein paar Maschinen in meiner Umgebung. Eine BMW 700GS, eine BMW R80, eine Yamaha XT600 und eine Triumph Tiger 800, von der ich schon in dem Video gehört hatte. Letztere sah schon sehr schick aus und war relativ günstig. Die 700er GS hörte sich vielversprechend an, da sie sich, laut Verkäufer, an die Yamaha XT 700 anlehnt. Von der R80 hatte ich gehört, sie solle nicht so gut sein für große Leute. Aber trotzdem cooles Motorrad.

Ich wollte gleich am nächsten Tag alle anrufen und einen Besichtigungstermin vereinbaren. Schauen und Probefahren kostet ja nichts. Angefangen bei der Yamaha, dann die Tiger, dann die 700er GS und dann eventuell noch die R80. Der Yamaha-Händler meinte, ich könne sie sehr gerne Probefahren aber nicht heute, wegen schlechtem Wetter.
Vielleicht war das Schicksal. Vielleicht hatte das schlechte, seit Wochen anhaltende, mir die Stimmung ins depressive drückende Regenwetter doch etwas gutes. Denn als nächstes stand die Tiger auf dem Programm. Ich weiß, dass es schwer ist eine vernünftige Probefahrt bei einem Privatanbieter zu machen, deshalb schaute ich bei den Triumph-Händlern in meiner Gegend, ob sie vielleicht eine gebrauchte Tiger hatten. Leider hatte das nur einer und der ist am weitesten entfernt, eine knappe Stunde Fahrt. Ich rief an und vereinbarte einen Termin für den gleichen Tag. Der Händler bietet auch andere Marken an, unter anderem Royal Enfield. Vielleicht kann man sich ja auch in dem Bereich mal umsehen. Vorrangig ging es mir aber um die Tiger. Mit Triumph hätte ich aber das gleiche Problem wie mit BMW. Ersatzteile gibt es nur schwer zu beschaffen und wären dann wahrscheinlich auch sehr teuer. Aber ich zweifelte nicht so sehr an der „Gesamtstabilität“ von Triumph. Zumal auch die Tiger als Offroad (Dual) Bike konzipiert wurde: Geringes Gewicht, 21 Zoll Vorderrad, wenig ccm.

Den Weg zu Triumph kannte ich, da ich damals schon einmal dort war und nach einer Bonneville T120 und einer Thruxton geschaut habe, welche ich supergeil finde. Hätte ich zu viel Geld und genug Platz, befänden sich diese Maschinen auch in meinem Fuhrpark.
Nachdem obligatorischen Verfahrer (mein Navi ist nicht up-to-date) kam ich im Gewerbegebiet von Bad Kreuznach an. Auf dem Parkplatz von Triumph gab es keinen freien Platz mehr. Es war ungewöhnlich voll für einen Tag unter der Woche. Beim Nachbargeschäft fand ich einen Parkplatz und lief die paar Meter rüber. Der Weg führte mich auf den Hof von Triumph an den Ausstellungs-Motorrädern vorbei. Viele KTMs, Indians und natürlich Triumph.

Als ich so die Reihe entlang ging, stand eher unscheinbar ein kleines schwarzes Motorrad zwischen all den aufgemotzten KTMs. Ich mag KTM nicht. Ich mag die Farben nicht und die Formen ebenso wenig. Sie sehen aus wie Insekten. Unförmig, kanntig, unästhetisch. Diese kleine Maschine stand da, schwarz wie die Nacht, unscheinbar, mit Sturzbügeln montiert. Sie sah mich an. Fordernd. Es war, als würde sie sagen: Hey, Bock auf ein Abenteuer? Ich ging einmal um sie herum. Sie war schlicht, einfach ein Motorrad. Es war eine Royal Enfield Himalayan. Der Schriftzug etwas kryptisch gehalten, so dass ich mir erst nicht ganz sicher war.
Ich betrat den Verkaufsraum, um mich für die Probefahrt anzumelden und wartete auf einen Mitarbeiter. Derweil schielte ich immer wieder durch das Schaufenster nach draußen auf den Hof zu dieser schwarzen Maschine. Steht sie zum verkauf? Sie hat ein reguläres Nummernschild. Vielleicht gehört sie wem. Kann man sie Probe fahren? Ich wollte den Mitarbeiter fragen, wenn ich meine Runde mit der Tiger gedreht habe.

Diesmal ging das alles ziemlich flott. Mir wurde noch ein Kaffee angeboten, den ich dankend annahm und wartete im ersten Stock darauf, dass der Mitarbeiter mir die Tiger in den Hof fuhr und fahrbereit machte. Dort standen dicke Indian Shopper und kleine moderne Roller. Shopper sind cool, aber überbewertet. Ich bekomme Gelenk- und Rückenschmerzen auf diesen Dingern. Nach zehn Minuten konnte ich die Fahrt beginnen. Nach einer kurzen Instruktion, lies mich der Mitarbeiter alleine mit der Tiger. Ich startete die Maschine und fuhr los.

Gleich zu beginn viel mir das Motorgeräusch, das von einem säuselnden, asthmatischem Surren begleitete wurde. Für die 95 PS, die sie haben soll, zieht sie überraschend schlecht an. Optisch, naja, die Scheinwerfer wirken etwas deplatziert, aber nach Optik darf man bei solch einem Motorrad nicht gehen. Man sitzt gut. Es fehlt mal wieder eine Griffheizung. Ich weiß auch nicht, warum Entwickler von Reise-Enduros so etwas Essentielles nicht mit einbeziehen in ihrer Planung. Im Stehen gefällt mir die Maschine sehr gut. Man kommt mit den Füßen ohne zu suchen an alle Hebel und auch die Lenkstange hängt in einer vernünftigen Höhe.
Alles in allem eher unspannend. Solide, vielleicht. Für den Zweck geeignet, joa. Aber langweilig eben. Es kommt nicht so wirklich Spaß auf beim Fahren. Ich denke, die Maschine macht ihr Ding, sie macht, was sie machen soll, sklavisch, ohne Charakter, willenlos.

Nach gut dreißig Minuten ist die Fahrt beendet. Ich stelle sie auf den Hof ab und frage den Mitarbeiter nach dem Verbrauch, dem Tankinhalt und einer Griffheizung. Warum wissen die Leute, die in so einem Laden arbeiten, diese einfachen Dinge nicht? Ist ja auch egal. Ich fragte ihn, was mit der Himalayan sei, ob man die Probe fahren könne und ob sie zum Verkauf stünde. Er bejahte beides und meinte, das sei aber ein Kontrastprogramm zur Tiger. Ich dachte mir, erzähl mir nichts, hol den Schlüssel. Er holte den Schlüssel und schmiss die Maschine an. Ja, in der Tat, das war ein Kontrastprogramm. Das Knattern des Einzylindermotors hatte gleich viel mehr Leben als das lakonische Säuseln der Tiger. Der Mitarbeiter meinte, hier sei nichts zu erklären, Gas, Bremse, Kupplung,keine Technik, fertig. Das fand ich gut. Und eigentlich mag ich Technik und Spielereien. Das war mit ein Grund, warum ich mir damals die 1200er GS gekauft hatte. Verschiedene Fahrmodi, einstellbare Federwege, Tempomat, Schaltassistent, Keylessride, etc .etc. Ich steh drauf. Und dennoch war mir diese Nüchternheit dieser schwarzen Himalayan total sympathisch.
Ich stieg auf und rollte vom Hof. Die fahrt war gemütlich. Anders kann man mit diesem Motorrad auch gar nicht fahren. Es ist eine befriedigende Art der Entschleunigung gewesen mit Tempo 80 durch die Gegend zu fahren. Anfangs dachte ich, niemals passt du da drauf, die ist viel zu klein. Nein, ist sie nicht. Überraschender Weise sitze ich genauso darauf wie auf meiner BMW. Auch im Stehen, ohne Lenkererhöhung, lies sie sich super fahren. Zugegebener Maßen, war die Tiger in diesem Punkt besser, denn hier musste ich immer mal wieder schauen, wo denn die Pedale sind. Aber es machte Spaß sie zu fahren. Sie hatte Charakter, Leben, sie wollte raus und nicht wieder zurück auf den Hof. So musste ich leider eine extra Runde drehen.

Als ich das Moped wieder auf dem Hof abgestellt hatte, war Tief in meinem Innern die Entscheidung schon gefallen. Ich sprach mit dem Verkäufer über den Preis und Zubehör (jaja, die gute alte Griffheizung). Er gab mir noch einen kleinen Rabatt, lehnte eine Inzahlungnahme der Yamaha verständlicher weise ab, da das für ihn nur ein Tausch gewesen wäre.
Ja, die Yamaha. Die steht da und jetzt wäre ich sie gerne los. Die Vernunft sagt, schlaf noch eine Nacht drüber. Also bin ich nach Hause gefahren, um drüber zu schlafen. Es gab nur nichts zum drüber schlafen. Die Sache war klar. Das ist mein Motorrad.

Ich habe nicht die Maschine ausgesucht, diese Maschine hat mich gefunden.

So stand sie da

Da war nur ein Problem: Platz und Geld. Das erste was ich tat, als ich nach Hause kam, war den Preis auf den Online-Portalen für meine Yamaha runterzusetzen. Ich brauchte das Geld. Danach habe ich ganz unabsichtlich nach Himalayan Zubehör gegoogelt, mir das Handbuch heruntergeladen und Hintergrundinfos gesucht. Dann bin ich zur Arbeit gefahren.
Keine drei Stunden später bekam ich eine Email. In dieser Email fragte jemand nach dem Zustand der Yamaha und ob noch was am Preis machbar wäre. Daraufhin rief ich den Herrn in meiner Pause an. Er war recht forsch und wollte den genauen Zustand der XJR wissen, insbesondere der des Lacks. Er wolle sich nicht ärgern, wenn er vorbeikommt, denn er ärgere sich nicht gerne. Ich meinte zu ihm, dass ich sie in Ordnung finde und guten Gewissens verkaufen könnte und mit dem Preis könnte ich ihm auch noch entgegen kommen, kein Problem. Ich könnte ihm aber nicht versichern, dass er sich nicht über irgendwas am Ende ärgern wird. Außerdem wollte er wissen, ob er sie gleich mitnehmen könne. Wow, was für eine Wendung. So sicher hat sich noch kein Interessent angehört. Klar konnte er die Maschine gleich mitnehmen. Wir vereinbarten einen Termin für den nächsten Tag, zehn Uhr.

Ich wurde nervös. Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Ich sah es als ein Zeichen und sagte zu mir, wenn der morgen kommt und das Moped mitnimmt, nehme ich das Geld und kaufe die RE. Dann dachte ich wieder, ach lieber erst mal das Wochenende abwarten, sonst endet das in einem Panikkauf. Lieber nochmal drüber nachdenken. An dem kommenden Wochenende hatte ich die Gelegenheit meinen verhunzten BMW-Endurokurs nachzuholen. Vielleicht stimmt der mich ja doch noch mal um. Innerlich wurde ich immer unruhiger. Eigentlich gibt es nichts abzuwarten. Die Sache ist eigentlich schon entschieden. Was, wenn der Typ das Bike nicht nimmt? Nicht auszudenken.

Der nächste morgen. Ich war schon lange nicht mehr so früh wach. Gegen 10 Uhr schlug ich bei meinen Großeltern auf, um noch mal nach der Yamaha zu sehen und ein paar Flecken vom Lack zu putzen. Gegen 10:30 Uhr schlug der Herr auf, wie sich herausstellte ein Yamaha-Händler. Er begutachtete das Motorrad bestimmt 20 Minuten, raunzte vor sich hin, bemängelte den Zustand und bot mir am Ende noch mal 200 Euro weniger als vereinbart. Ich schlug ein, ohne zu zögern. Jetzt hatte ich das Geld. Aber lieber noch mal warten...

Wieder zu Hause rief ich gegen 12 Uhr den Triumph-Händler an (Joe war sein Name), um zu fragen, wie das mit einer vermeintlichen Überführung aussehen könnte und welche Arten von Steckdosen es gibt und wie eine Bezahlung aussehen könnte. Moment, ich will es mir doch eigentlich noch überlegen. Was mach ich hier? Ich melde mich noch mal.

Wenn jetzt jemand kommt und das Motorrad vor mir kauft, würde ich mir das nie verzeihen. Ich war schon lange nicht mehr so nervös und aufgeregt.
17:30 Uhr, Triumph schließt in 30 Minuten... Ich rufe an. Ein Mitarbeiter geht ran. Ich verlange nach Joe. Er ist im Gespräch, wird mich aber zurückrufen. 17:40 Uhr ich starre auf mein Handy, nichts. 17:50 Uhr ich starre auf mein Handy, nichts. 18 Uhr ich starre auf mein Handy, nichts, Scheiße. 18:05 Uhr das Handy klingelt. Es ist Joe. Ich frage, ob die Maschine noch da ist. Welche? Na, die schwarze Himalayan (Herrgott). Achso... ja, ist noch da. Ich sage ihm, dass ich das Motorrad kaufe.

Er will mir einen Vertrag zu schicken. Ich sage, ich bin Samstag sowieso in der Gegend. Das war gelogen, es ist für mich ein Umweg auf dem Weg nach Hechlingen am See zum Endurokurs, aber was solls. Er will mir dennoch schon mal eins zur Ansicht schicken, heute oder morgen. Alles klar.
Heute (Donnerstag), keine Email erhalten. Freitag, keine Email erhalten. Die werden doch nicht etwas dummes tun?
Samstag 10 Uhr, ich rufe nochmal an um sicher zu gehen, befürchte schlimmes. Frage, ob der Deal steht. Klar doch, deswegen hat er mir auch den Vertrag nicht zukommen lassen.

Ich bin immer noch nervös als ich mich auf den Weg mache. Als ich auf den Parkplatz einbiege, sehe ich aus dem Autofenster die RE an der gleichen Stelle stehen wie vor zwei Tagen, mit dem unterschied, dass ein älteres und vor allem fettes Ehepaar auf ihr rumturnen. Ich parke mein Auto an der gleichen Stelle wie das letzte mal. Auf dem Hof angekommen hampeln die immer noch auf meiner Maschine herum. Warum haben die da kein Schild angebracht, wo drauf steht „Verkauft, nicht drauf setzen“, so wie sie es bei anderen Mopeds auch machen? Ich gehe in den Verkaufsraum und suche Joe. Der ist leider mit einer Beratung beschäftigt. Ich stelle mich in einem gewissen Abstand dazu und linse durch die Scheibe nach draußen. Jetzt kommt noch ein Verkäufer dazu und zieht das Moped aus seinem Platz. Ich misstraue der internen Kommunikation dieses Ladens und befürchte das Schlimmste. Bis mir einfällt, dass es ein Vorführmoped ist. Das beruhigt mich wieder etwas. Ich kann es nicht erwarten Joe den Batzen Geld in die Hand zu drücken. Dem jungen Mädchen, das er berät, würde ich am liebsten sagen, lass es,
Motorradfahren macht nur unglücklich, ist viel zu gefährlich, nur damit das Beratungsgespräch ein Ende hat. Fünf Minuten später war es soweit. Wir setzten uns an einen Tisch klärten die Formalien, Fahrzeugbrief und Geld wechselten die Besitzer. Einzelheiten der Übergabe wurden noch geklärt, die RE wurde vom Hof in die Werkstatt geschoben und ich machte mich auf den Weg nach Hechlingen, überraschend befreit.

Ja, das war ein merkwürdiges und schönes Gefühl (und auch eine schöne Geschichte, wie ich finde). Der Mut, den ich die Tage zuvor verloren habe, kam wieder. Ich war (bin es immer noch) zuversichtlich, dass das Vorhaben nun auf jeden Fall klappt und motiviert weiterzumachen.

Nur wenige Tage später habe ich durch Zufall gelesen, dass nicht weit von mir (10 Minuten Fahrt) ein Royal Enfield Händler und Werkstatt sitzt. Wenn das nicht ein Wink des Schicksals ist.

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Wie geht es nun weiter?
Das ganze hier ist eine reine Gefühlssache. Nach 30 Minuten Probefahrt lässt sich nicht wirklich viel über ein Motorrad sagen. Aber man kann ein Gefühl haben.
Ich werde im September mit der REH drei Wochen in den Urlaub fahren (Irland ist geplant). Dann werde ich sehen, wie wir beide miteinander klar kommen. Im schlimmsten Fall, wechsle ich zurück zur BMW.

Und die Moral von der Geschichte:
Ich höre schon den Aufschrei: Idiot, hat sich (am Ende doch) verrückt machen lassen und jetzt nochmal Geld für ein Motorrad ausgegeben, dass er für den Trip hätte nutzen können... ladiladila....

Auch wenn ich es nicht nötig habe, mich zu rechtfertigen, habe ich das Gefühl, es hier zu müssen. Ja, ich habe mich nach einem Motorrad umgesehen, aber der Plan war nicht, auch eines zu kaufen. Hätte ich die Yamaha nicht verkaufen können, hätte ich mir die Neuanschaffung zweimal überlegt. Insofern habe ich jetzt keine riesen Verluste gemacht. Ich habe mein altes Motorrad gegen ein anderes getauscht. Mehr oder weniger war es nicht, ein Tausch.

Ich habe mir davor ernsthaft überlegt eine Yamaha XT700 zu besorgen. Da dieses Modell aber neu auf dem Markt ist, gibt es so gut wie keine gebrauchten Angebote dafür. Das heißt, eine XT700 neu, reisefertig kostet ebenfalls knapp 14k €. Da passt die Himalayan drei mal rein.

Vielleicht habe ich mich verrückt machen lassen und vielleicht war es ein Panikkauf. Mir aber gefällt die Geschichte dahinter. Es gab in diesem Sinne keinen Verlust, und sollte ich im Urlaub feststellen, dass die RE nicht passt, dann komme ich zum ursprünglichen Plan zurück mit der BMW zu fahren. Außerdem schlaf ich jetzt besser.

(Ein Auge offen für die XT700 werde ich aber auf jeden Fall halten, weil die Maschine ist schon richtig gut).

Toothless
 

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