C'est ne pas une masque - Frankreich Urlaub 2020
Urlaub in Frankreich zur Zeit einer Pandemie. Ist das überhaupt eine gute Idee? Ich hatte in den zwei Wochen nie auch nur annähernd die Befürchtung mich mit irgendetwas anzustecken. Wie auch? Die einzigen Menschen, mit denen ich in der Zeit Kontakt hatte, waren die Rezeptionisten und die Baguette-Verkäufer/innen. In der Tat hatte ich während der Reise immer das Gefühl, dass Frankreich ausgestorben ist. Es war überall so wenig los, auf den Straßen, in den Städten und Dörfern. Wo es etwas regeren Betrieb gab war Mont St.- Michel. Aber die Hauptsaison war ja zu der Zeit auch schon vorüber. Ich durfte die letzten Sommertage genießen und die ersten verregneten Herbsttage.
Mein Plan war folgende grobe Strecke: Champagne, Picardie, Normandie, Bretagne. Total bescheuert, wird jetzt jeder betagte Motorradfahrer denken. Aber woher soll ich das wissen? Habe ich mich vorher informiert? Nee.
Ich hatte mir ein paar Sehenswürdigkeiten herausgesucht, die ich abfahren wollte. Das erste Ziel war Etretat mit seinen schönen Felsformationen am Strand. Dort konnte ich noch einmal im Meer schwimmen und in der Sonne liegen. Das war auch schon der Höhepunkt des Urlaubs.
| Etretat |
Weiter gings Richtung Mont St.-Michel (total überbewertet) und von dort Richtung Omaha-Beach. Diese Gegend in der Normandie hat mich sehr berührt, weniger wegen der Landschaft als viel mehr wegen der Geschichte. Hier sieht es nämlich genau so aus wie man es aus den 2.Weltkriegsfilmen (z.B. Soldat James Ryan) kennt. Und es war ein beklemmendes Gefühl am Strand von Omaha-Beach zu laufen, mit dem Gedanken an das, was hier mal vorgefallen war. Dennoch war es auch ein schöner Tag am Strand. In den umliegenden Museen konnte man sich Originalteile aus dem Krieg ansehen. Und hier gewann das kleinere private Museum, das mehr auf Qualität als auf Quantität (und Touristen) aus ist als die großen Museen.
| Mont St. Michel - überbewertet |
Als nächstes stand die Bretagne auf dem Plan, die mich wegen der Verbundenheit mit den Kelten (Schottland/Irland) interessierte. Und vielleicht hätte ich einfach noch ein paar Kilometer weiterfahren sollen, aber was mir die ganzen letzten Tage schon merkwürdig vorkam, wurde hier nicht besser. Der ganze Norden und Nordwesten Frankreichs ist flach wie ein Pfannkuchen. Absolut unattraktiv für Motorradfahrer. Das, die Tatsache, dass es hier bald regnen soll und eine kurze Recherche im Internet veranlasste mich eine Kehrtwende einzulegen und Richtung Mitte (Zentralmassiv) zu fahren. Dies war der Zeitpunkt, wo das Wetter langsam umschlug in regnerischen Herbst.
| Omaha Beach - sehr bewegend |
Im Zentralmassiv angekommen, checkte ich nach einem Tag Fahrt im strömenden Regen in ein Hotel ein, um meine Sachen zu trocknen. Zur gleichen Zeit verschärfte sich die Corona-Situation in Frankreich. Immer mehr Gebiete wurden zu Risikogebieten erklärt. Um einen Test (und gegebenenfalls Quarantäne) kam ich jetzt nicht mehr herum. Das hat mich etwas gestresst, denn eigentlich hatte ich, wenn ich wieder nach Hause kam, Dinge zu erledigen. Keine Zeit für Quarantäne.
Ein Blick auf die Wetterapp verhieß auch keine guten Aussichten auf Besserung des Wetters. So dass ich die Tage drauf unentschlossen im Zickzack-Kurs versuchte dem Regen auszuweichen. Die Temperaturen wurden kälter und die Zeltplätze machten auch so langsam dicht. All dies veranlasste mich zu sagen, ok, das müsste man nochmal wiederholen, mit einer anderen Strecke und zu einer anderen Zeit. Ich machte mich auf den Nachhauseweg und kam dort eine Woche früher als geplant an. Mit der Sorge, wo ich denn am Wochenende einen Corona-Test machen soll, fuhr ich über die Grenze, nur um gleich am nächsten Rastplatz auf eine Corona-Teststation zu treffen, wo ich mich testen lassen konnte. 24 Stunden später erhielt ich mein (negatives) Testresultat.
Dem Vorurteil, dass die Franzosen sich zu fein sind, Englisch zu sprechen, möchte ich widersprechen. Die Franzosen reden so gut und gerne Englisch wie die Italiener. Wenn sie Englisch können und merken, dass du kein Französisch kannst oder du sie höflich fragst, ob sie vielleicht Englisch können, dann switchen die auch. Und mit den gängigsten Übersetzungsapp steht einer Verständigung auch nichts mehr im Wege.
| Bämmm...! |
Ich vergleiche Frankreich jetzt einfach mal mit Italien, wo ich letztes Jahr knapp drei Wochen war. Die beiden Länder sind sich nicht unähnlich in vielem. Wenn man einen Kaffee bestellt bekommt man einen Espresso.... Ok... das war es auch schon an Ähnlichkeiten...
Die Franzosen fahren sehr gesittet und höflich. Während der Italiener mit gesunder Aggressivität Hupt und schimpft, halten die Franzosen wirklich an jedem Stopschild, egal ob weit und breit ein Auto zu sehen ist oder nicht. Und diese Stopschilder machen einen wahnsinnig, da sie immer dort stehen, wo man sie überhaupt nicht erwartet. Die Vorfahrtsregeln sind dort sehr eigen und kontra-intuitiv.
Hotels und Essen ist Frankreich sehr teuer. Wo ich in Italien für eine Hotelübernachtung 30,- € bezahlt habe, legt man in Frankreich gerne mal 70,-€ im Schnitt hin. Eine vernünftige Mahlzeit im Restaurant geht ab 12,-€ los.
Während meiner Reise habe ich in Frankreich keinen einzigen gescheiten Wildcampingplatz gesehen. In Italien kann man das gut in den Naturreservaten, auch wenn es offiziell nicht erlaubt ist.
Was die Maskenpflicht anlangt, habe ich keinen Vergleich. Die Franzosen sind aber da sehr penibel, was das anlangt und man kann es ihnen auch nicht vorhalten, da sie zu der Zeit eine extrem hohe Ansteckungsrate hatten. Aber in einigen Läden wurde ich darauf hingewiesen, dass mein Halstuch vor dem Mund keine Maske sei. Der eine Ladenbesitzer war da sehr ungehalten drüber. Gerne hätte ich mit denen eine Diskussion begonnen, ob die ehrlich meinen, dass ihr Papiertütchen vor dem Mund besser Schützt als mein Tuch... Aber wie soll man in einer Sprache diskutieren, die man nicht spricht?
Was
bleibt noch? Ach ja, die Motorradfahrer dort sind alle am Grüßen,
immer mit dem V-
Zeichen und sehr enthusiastisch, ganz im Gegensatz zu
den Grüßmuffeln in Deutschland.
| Cheers! |
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