Royal Enfield Himalayan - die ersten Erfahrungen
Gefahrene
Kilometer: 0,0
Bevor
ich die Himalayan gekauft habe, bin ich sie natürlich Probe gefahren
und zu dem Zeitpunkt fuhr sie, wie sie es sollte. Vor der
Auslieferung sollte die erste Wartung gemacht werden, haben die
gesagt. Dazu gehöre wohl auch (so habe ich das in Erinnerung) eine
Testfahrt.
Nachdem
sie mir dann das Moped geliefert hatten, musste ich gleich
feststellen, dass nur eine Steckdose montiert war, bezahlt hatte ich
zwei (eine USB und eine Zigarettendose), außerdem saß diese nicht
an der vereinbarten Stelle. Der Fahrer telefonierte mit dem Händler
und nahm sie schließlich wieder mit. Zwei Tage später rufen die
mich an und sagen, dass das so nicht geht wie vereinbart. Ich meinte,
lassen sie es einfach so und ich nehme auch nur den einen Stecker.
SK-Bikes in Bad Kreuznach schuldet mir jetzt 25,-€ für eine zu
viel bezahlte Steckdose. Ich zweifelte immer mehr an der Kompetenz
des Ladens und seiner Mitarbeiter (typischer Fall von Quantität
statt Qualität). Bei der zweiten Lieferung hat mich der Fahrer fast
verpasst, da ich dachte, die würden mich nochmals anrufen, wenn der
auftaucht. Haben sie aber nicht gemacht. Wie auch immer, nach zwei
Wochen stand sie endlich bei mir auf dem Hof. Jetzt musste ich nur
noch zwei Wochen warten, bis ich sie zulassen konnte. Corona dient
zur Zeit für alles als Ausrede nichts tun zu müssen, insbesondere
auf den deutschen Ämtern. Eigentlich wollte ich schon am 23.6. auf
die Zulassungsstelle, nur um feststellen zu müssen, dass man nun
einen Termin vorab benötigt und man vier Wochen Wartezeit einplanen
muss. Ich habe gleich vier Termine ausgemacht, für den Fall, dass
irgendwas schief läuft.
Am 21.7.
dann konnte ich sie zulassen. Ich wollte auch gleich eine Runde mit
ihr drehen. Ich zog mich also an, schnappte mir meinen Helm und den
Schlüssel, ging raus, steckte den Schlüssel ins Schloss und warf
sie an...
Merkwürdig.
Es hörte und fühlte sich so an als würde sie untertourig laufen
(mit zu geringer Leerlaufdrehzahl). Dann soff sie ab. Na gut, sie
stand ja auch ne Weile. Also nochmal angelassen und dann mit dem Gas
die Drehzahl etwas oben gehalten. Nach ein paar Minuten wollte ich
losfahren, doch beim Schleifpunkt der Kupplung mit wenig Gas soff sie
schon wieder ab. Wieder angelassen und einmal um den Blog gefahren.
Bei jeder Kreuzung soff sie ab. Was kann das sein? Zu wenig Benzin?
Zu viel Öl? Batterie schwach? Erstmal die Batterie geladen. Problem
bestand weiterhin.
Die
Werkstatt bei mir um die Ecke hatte noch zwei Wochen Urlaub. Also
erstmal den Händler angerufen. Es wären die Zündkerzen, die
müssten mal freigefahren werden. Zündkerze gewechselt (die alte war
ölig), Problem besteht weiterhin. Wieder angerufen und verlangt,
dass die das reparieren sollen. Ja, ich könne die Maschine am 19.
August vorbei bringen... Mir fehlten die Worte. Zum einen will ich
Ende August in den Urlaub, zum andern fährt die Maschine nicht.
Leicht genervt meinte der Mitarbeiter, dann müssen sie schauen, wann
ein Fahrer in der Nähe ist. Ich wollte jetzt nichts mehr mit denen
zu tun haben und sagte, dass ich mich an meinen Händler hier wende,
wenn der wieder da ist, aber, ob er mir noch zumindest
ferndiagnostizieren könnte, was es sein könnte. Seine Antwort: Muss
halt mal gefahren werden. An soviel kanns nicht liegen, normalerweise
fahren die Dinger... Nein, tun sie offensichtlich nicht.
Das
Abenteuer beginnt schon vor der Haustür, bevor man überhaupt einen
Kilometer gefahren ist.
Also,
was tut man in solch einer Situation? Der Händler ist inkompetent
und man selbst weiß nicht, woran es liegt, dass das Motorrad nicht
fährt. Nun, es fährt schon aber nur mit halber Leistung (ich bin
bei einer weiteren Fahrt nicht über 60 km/h gekommen) und zu
niedriger Drehzahl im Leerlauf.
Man
bemüht Mr. Google und wird relativ schnell fündig, dass dieses
Problem ein Gängiges dieser Baureihe ist. Ab Baujahr 2020 kommt es
vor, dass die Leerlaufdrehzahl niedrig ist, das Gas mit "Schluckauf"
reagiert und bei geringer Gaszufuhr und Schleifpunkt der Motor
absäuft. Es gibt folgende Lösungsvorschläge: Spannung von 63V auf
65V erhöhen, Gas Positions Sensor auf 0,5 justieren und Leerlauf von
1250 auf 1350 rpm erhöhen. Ein Link zum kompletten Text der
Fehlerbeschreibung gibts hier:
https://www.rushlane.com/bs6-himalayan-stalls-on-low-rpm-royal-enfield-issues-fix-12363094.html
Schön.
Jetzt weiß ich, woran mein Problem liegt. Aber wie mache ich diese
Einstellungen?
Auch
dafür gibt es Anleitungen im Netz. Ein indischer Youtuber hat sich
diesen Problemen angenommen und die Anleitungen dafür auf Youtube
gestellt.
Hier die
Einstellung für die Leerlaufdrehzahl:
https://www.youtube.com/watch?v=VhkReLSSIfs
Und hier
für die Gas Sensor Position:
https://www.youtube.com/watch?v=BNYGt2RW8pM
Wie man
die Spannung einer 12V Batterie von 63V auf 65V setzt ist mir bis
dato völlig unklar.
Die
Fragen, die sich hier stellen sind: a) Warum weiß der Händler
nichts davon? und b) warum ist Maschine damals bei der Probefahrt
gefahren und jetzt nicht?
Ich kann
nur mutmaßen: a) Wegen Ignoranz und b) wegen mangelnder/fehlerhaften
Wartung.
Ich habe
das Gefühl, dass die die Wartung gar nicht gemacht haben. Die
Anzeige für anstehende Wartung blinkt nämlich.
Leerlaufdrehzahl
und Sensor habe ich nun korrigiert. Wenn man weiß wie, eigentlich
ganz einfach. Die Maschine fährt jetzt. Dennoch habe ich das Gefühl,
dass sie nicht die volle Leistung bringt. Hatte den TPS auf 0.55
gestellt und werde es nochmal mit 0.5 probieren. Ausgehen im Stand
tut sie jetzt nicht mehr.
Nächstes Problem: Seit der kurzen Tour habe ich an der rechten Seite des Zylinders an der Zündkerze Kraftstoffspuren. Keine Ahnung, warum die da sind oder wie die da hin kommen. Werde ich beobachten.
| Etwas Gefummel, um an die Schraube für den TPS zu kommen. Mit dem grauen Teil kann man den Sensor korrigieren. |
| Die Schraube, um die Leerlaufdrehzahl zu ändern. |
Nächstes Problem: Seit der kurzen Tour habe ich an der rechten Seite des Zylinders an der Zündkerze Kraftstoffspuren. Keine Ahnung, warum die da sind oder wie die da hin kommen. Werde ich beobachten.
| Ölleck. Leider konnte ich das nicht selbst beheben. |
Zündkerze ist sauber und trocken, saß allerdings etwas locker.
Werde
später heute nochmal eine Runde drehen.
Vielleicht ist die Leerlaufdrehzahl jetzt zu hoch?
| DIY - eine gute Art seine Maschine besser kennenzulernen |
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Konnte
das Moped auf dem letzten Zahn in die Werkstatt nach Nauheim bringen.
Er ist förmlich ausgeblutet, so viel Öl hat er auf den 34km
verloren.
Der Herr
von der Werkstatt hat mir bestätigt, dass er falsch eingestellt ist.
Die Leerlaufdrehzahl benötigt viel zu lange um wieder runter zu
kommen und der Motor läuft unschön.
Letzte
Vereinbarung: Anfang September will ich nach Irland. Machen Sie mir
die Maschine reisefertig (inkl. Wartung, Reparatur, Motor- und
Lichteinstellung und Trägermontage).
Auch
wenn das vielleicht eine Sache des eigentlichen Verkäufers wäre,
fühle ich mich viel wohler, dass Toothless in Nauheim steht und
nicht in Bad Kreuznach (von dem Umstand abgesehen, dass die
Entfernung nach dort nochmal 50km betragen hätte).
Die
netten älteren Herrn von der Werkstatt machten einen beruhigenden
Eindruck. Und ich fühle mich im Moment auch viel ruhiger, da ich ihn
in guten Händen wähne.
Warum muss alles so knapp sein? Die Werkstatt geht von vier Wochen Wartezeit aus bis sie sich der Reparatur annehmen können. Es kann sein, dass sie früher fertig wird, wenn ein anderer Kunde absagt.
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Zwei
Punkte, die gerne in Reviews über die Himalayan, angesprochen und
kritisiert werden sind die Vorderbremsen und der Sitz. Die
Vorderbremsen seien zu schwach und der Sitz zu klein und hart bzw. zu
weich, in jedem Fall so, dass einem der Hintern weh tut.
Die
Vorderbremse ist schwach und man merkt das sofort. Allerdings ist es
nicht so schlimm, wie behauptet wird. Man kann mit ihnen gut bremsen.
Es ist einfach Gewöhnungssache.
Der Sitz
ist in der Tat recht klein und der Hintern tut nach kurzer Zeit weh.
Das ist ein riesen Manko. Ich hoffe dem mit etwas Polsterung in Form
eines Schaffels entgegenwirken zu können. Das werde ich aber erst in
vier Wochen zum Urlaub ausprobieren können.
Einen
weiteren Punkt möchte ich hier kritisieren. Der Seitenständerfuß
ist sehr klein. Hier wird man definitiv eine Verbreiterung - in
welcher Form auch immer - benötigen.
Die
Reifen, die von Werk aus drauf sind - Pirelli MT 60 (nie davon gehört
und im Netz nichts dazu gefunden) - fahren sich auf der Straße
soweit sehr gut. Man merkt die Stollen nicht beim Fahren. Es bleibt
abzuwarten, wie lange diese halten.
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